Geschichte der Ulmbachtalsperre

Der Bau einer Talsperre im Ulmtal, welcher vornehmlich dem Hochwasserschutz der unterhalb gelegenen Ortschaften Holzhausen, Ulm und Allendorf dienen sollte, war keineswegs eine klare Angelegenheit. Jahre vor dem Bau wird aus den damaligen Presseberichten deutlich, wie unterschiedlich die Positionen für und gegen den Bau eines Rückhaltebeckens waren.

Meldung in der „Dill Post“ am 20. Februar 1960

Keine Ulmtalsperre?

Das Projekt wurde zugunsten der Weiltalsperre zurückgestellt

 Aus dem Wiesbadener RP schrieb man dem Wetzlarer Landrat Weber das die Vorarbeiten für den Bau der Ulmtalsperre vorläufig eingestellt wurden. Die dafür vorgesehenen 25.000 DM sollen zur Vorplanung der Weiltalsperre verwendet werden.

Dem Bau hatten zuvor 7 Ulmtalgemeinden und der Wetzlarer Kreistag zugestimmt, die Baukosten waren mit 6,5 bis 7 Millionen DM veranschlagt. Aber auch der Bund, der den größten Anteil finanzieren sollte, hatte noch keine Bereitschaft zur Beteiligung an dem Projekt gezeigt. 

Meldung in der „Dill Post“ am 11. März 1960

Kommission fährt nach Wiesbaden

Beilsteiner wollen sich Gewissheit verschaffen

Sie wünschen einen beschleunigten Beginn der Flurbereinigungsarbeiten. Außerdem wollen sie sich Klarheit verschaffen wie es nun um den Bau der Talsperre, die auch der hessische Landwirtschaftsminister abgelehnt hatte, steht.

Beilsteins Bürger sind an dem Bau der Talsperre nicht interessiert, obwohl ein „Weiher“ dem Fremdenverkehr Auftrieb geben würde.

Meldung in der „Dill Post“ am 15. März 1960

„Ulmbachtalsperre wird nicht gebaut“

Dies teilte der Landtagsabgeordnete Werner Best (SPD) den Bürgermeistern der betroffenen Ulmtalgemeinden mit

Stattdessen wolle die hessische Regierung nach dem Gutachten eines Wasserbauspezialisten durch den naturnahen Ausbau des Ulmbachs und der Anlage eines Rückhaltebeckens die in die Hunderttausende gehenden Hochwasserschäden im Ulmtal vermeiden.

Diese Maßnahme würde mit etwa 700.000 DM nur ein Zehntel der Kosten, die eine Talsperre kosten würden, in Anspruch nehmen. Außerdem solle zur Förderung des Fremdenverkehrs im Ulmtal ein großes Schwimmbecken gebaut werden.

Meldung in der „Dill Post“ am 11. Mai 1960

Rückhaltebecken statt Ulmbachtallsperre

Landwirtschaftsministerium ordnet Planerstellung an

Das Wasserwirtschaftsamt Dillenburg arbeitet an dem Plan für ein Rückhaltebecken zwischen Holzhausen im Kreis Wetzlar und Beilstein im Dillkreis.

Landrat Philipp Schubert teilt mit das ein Rückhaltebecken wesentlich weniger kosten werde als die ursprünglich mit etwa 8 Millionen Mark geplante Talsperre.

Meldung in der „Dill Post“ am 25. Juli 1962

Erneute Kritik an den Plänen für Ulmbach-Ausbau

Stellungnahme der „Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz und Landschaftspflege“ – Vorwürfe gegen die Untere Naturschutzbehörde

 Mit der Überschrift „Gefahren für das Gleichgewicht in der Natur“ weisen die in der Arbeitsgemeinschaft vertretenen Naturschützer auf die negativen Folgen eines Talsperrenbaus hin. Sie machen sich für den naturnahen Ausbau des Ulmbachs stark.

 In einem langen „offenen Brief“ wird die Vorgehensweise der Behörden scharf kritisiert.

Meldung in der „Dill Post“ am 20. März 1963

Rückhaltebecken in diesem Jahr

Nachdem im Vorjahr wesentliche Vorarbeiten für den Bau des Wasserrückhaltebeckens im Ulmbachtal bei Beilstein durchgeführt wurden, soll mit dem Bau des Beckens in diesem Jahr begonnen werden.

Bauträger ist der „Ulmbachverband“, dem mehrere Gemeinden des Ulmtals angehören.

Meldung in der „Dill Post“ am 27. Februar 1964

Die Baustelle der Talsperre

Die Bauarbeiten an der Talsperre von Beilstein sind voll im Gange. Unter anderem wurden Wohnbaracken für Gastarbeiter errichtet.

Die Aufnahme zeigt einen Blick auf die Baustelle.

Meldung in der „Dill Post“ am 18. Juli 1964

Ulmbachtalsperre für den Fremdenverkehr

Landwirtschaftsminister und Regierungspräsident kommen zur Grundsteinlegung am 24. Juli.

Der Beilsteiner Bürgermeister Roos rechnet fest damit, dass der im Aufbau begriffene Fremdenverkehr durch die Talsperre einen Aufschwung erhalten wird.

Die Einweihung der Talsperre soll im September 1966 sein.

Meldung in der „Dill Post“ am 27. Juli 1964

Ulmbach-Rückhaltebecken für 7 Mill. Mark

Sprengschüsse als Salutschüsse als Landrat Philipp Schubert drei Hammerschläge tat und damit symbolisch den Grundstein für das Hochwasser-Rückhaltebecken am Ulmbach legte.

Zum Abschluss der kleinen Feierstunde gab dann Regierungsoberbaurat Loske einige technische Erklärungen zum Bauwerk.

Meldung in der „Dill Post“ am 29. Juli 1964

Wie der Ulmbach "gebändigt" wird

"Tosbecken" als Beruhigungsmittel / 250 Meter langer Staudamm aus Grauwacke und Tonschiefer.

Zu all diesen Bauwerken kommt dann noch der Bau einer Vorsperre, um das Rückhaltebecken vor größeren Erd- und Steinmengen freizuhalten.

Meldung in der „Dill Post“ am 15. Februar 1965

Der Ulmbach – ein akutes Problem

Ein Vorschlag: Hochspeicher im Quellgebiet des Fleisbachs

Ingenieur Rehorn hat errechnet, dass die 0,765 Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen der Ulmbachtalsperre nicht ausreichen die anfallende Wassermenge von vermutlich 10 Millionen Kubikmeter zu regulieren.

Er schlägt vor diesen „Überfluss“ durch ein Kraft- und Pumpwerk in einen höher gelegenen Speicherraum zu pumpen. Dazu würde sich das Quellgebiet des Fleisbaches eignen. Von hier aus kann das Gefälle zur „Kraftgewinnung“ genutzt werden.

Meldung in der „Dill Post“ am 27. Juli 1965

Ulmbachtalsperre vor der Fertigstellung

Einweihung im Frühjahr 1966 – Vorerst kein Badebetrieb

Durch die günstigen Witterungsverhältnisse kann vermutlich bereits im Frühjahr 1966 die Einweihung gefeiert werden, so der Leiter des Wasserwirtschaftsamts Dillenburg, Baurat Herzberg.

Bei dem Damm handelt es sich um einen „Steingerüstdamm“, also um eine natürliche Aufschüttung mit einer „bituminösen Außenhautabdichtung“. Die Kronenlänge des Dammes beträgt 280 Meter, der Damm erreicht eine Höhe von 20 Metern, der Damminhalt beträgt 115.000 Kubikmeter.

Die offizielle Bezeichnung heißt „Hochwasserrückhaltebecken mit Dauerstau, stellt aber im Sinne des Gesetzes eine Talsperre dar.

Im Sommer über sollen sich 385.000 Kubikmeter Wasser in der Talsperre befinden. Dabei wird eine Fläche von 6,77 ha überflutet.

Im Herbst wird das Becken bis zu einem Reststau abgelassen, damit die Fische überleben können. In den Ulmbach abgegeben werden max. 7,14 Kubikmeter Wasser pro Sekunde.

Auf die Lahn hat das Rückhaltebecken wegen des geringen Einzugsgebietes keinen Einfluss mehr.

Befragt auf die Bademöglichkeiten an der Ulmtalsperre antwortete Baurat Herzberg, dass die Sperre behördlicherseits nur ihrer Zweckbestimmung als Hochwasserschutz freigeben werden könne. Jedoch sei eine andere Nutzung nicht direkt ausgeschlossen. 

Meldung in der „Dill Post“ am 13. August 1965

Fischereirechte an der Ulmtalsperre

Arbeitstagung des Angelsportvereins "Ulmtal" in Beilstein.

In der Zusammenkunft sollte über die Möglichkeiten diskutiert werden die Ulmtalsperre zu pachten.

Bürgermeister Roos von Beilstein zeigte sich optimistisch. Er sagte dem Angelsportverein seine volle Unterstützung zu.